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Auf einen Blick

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© Foto: T.Schüßler

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

"All mein Sehnen, Herr, liegt offen vor dir, mein Seufzen ist dir nicht verborgen." (Psalm 38,10; Monatsspruch Oktober) "Zum Gedenkopfer" - so ist dieser Psalm in meiner Bibel überschrieben.

Gedenken ist in diesen Wochen groß geschrieben. Wessen gedenken wir? Am Reformationstag haben wir in Hamburg zum ersten Mal einen staatlichen Feiertag. Diesen möchten wir in der Gemeinde begehen, indem wir Orte im Stadtteil aufsuchen, an denen "Gott anders gedient wird".

Der Rückblick am 9. November erinnert an das Ende des ersten Weltkrieges vor hundert Jahren, an die Pogromnacht im Jahr 1933 und an den Fall der Mauer 1989. Am 18. November gelten unsere Gedanken der Opfer, die zwei Weltkriege und alle kriegerischen Auseinandersetzungen bis heute gefordert haben. Am 21. November begeht die evangelische Christenheit den Buß- und Bettag, bis 1994 noch ein landesweiter Feiertag. Dieser Tag soll dazu dienen, dass die Menschen in unserem Gemeinwesen einmal in sich gehen und überlegen, was "nicht rund" läuft in unserer Gesellschaft. Und am 25. November, am Ewigkeitssonntag widmen wir unsere Aufmerksamkeit den Verstorbenen.

Allem, was schwer ist und schwer zu tragen, setzt das Bibelwort aber etwas Hoffnungsvolles entgegen. Denn wenn Krieg, Verlust und Schuld plagen, sehnt sich der Mensch nach Abhilfe. Er hofft auf eine Veränderung der Lage. Diesen Wunsch bringt das Wort "Sehnen" zur Sprache. Wie vielleicht keine andere Kreaturist der Mensch in der Lage Sehnsucht zu empfinden. Das kann schmerzlich sein, falls sie so gänzlich ungestillt bleibt. Aber gleichwohl scheint sie die Schwester der Hoffnung zu sein. Sie richtet ihr Augenmerk auf etwas, was sein könnte und (noch) nicht ist. Liebende sehnen sich nach Geliebten, das Kind nach den Eltern. Der betende Mensch im Psalm beteuert eines unumwunden, wie erfüllt oder unerfüllt das eigene Sehnen noch sein mag: Es gibt einen, vor dem es offen zutage tritt. Es gibt einen, der es sich zu Herzen nimmt. Und darum nimmt er auch jeden Seufzer in sich auf, der dem sehnsüchtig sich verzehrenden Menschen entfährt.

Wonach immer Sie sich sehnen, worauf ihre Hoffnung sich richtet: Ich wünsche Ihnen, dass sie in Gott immer einen erleben, der um Ihre Sehnsucht weiß!

 

Ihr/Euer Pastor Heiko Jahn