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Auf einen Blick

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© Foto: T. Schuessler

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

In diesen Wochen bereiten wir uns auf Ostern vor. Was feiern wir denn an Ostern? „Dem modernen Menschen fällt es schwer, die Auferstehung zu verstehen. Wie kann man ihm heute das Geheimnis der Auferstehung nahe bringen?“ so wird Anselm Grün einmal gefragt.

Mir geben die Texte von dem Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach in beschwerlicher Zeit Kraft. Er antwortet: „Die Auferstehung hat zwei Aspekte. Wir feiern die Auferstehung Jesu Christi, um schon hier und jetzt immer wieder aufzustehen aus der Angst ins Vertrauen, aus der Resignation in die Hoffnung, aus dem Grab zum Leben. Und Auferstehung meint das Leben, das uns im Tod erwartet. Hier hilft uns die biblische Hoffnung, dass wir nicht aus Gottes Liebe herausfallen werden. Lieben, so sagt der französische Philosoph Gabriel Marcel, bedeutet dem anderen zu sagen: ‚Du, du wirst nicht sterben.‘ Wer die Liebe Gottes erfahren hat, vertraut darauf, dass diese Liebe ihn auch im Tod umfasst. Und Tod und Auferstehung geben uns die Gewissheit, dass wir wie Jesus im Tod in Gottes liebende Hände fallen.“

An einer anderen Stelle äußert sich Grün zum Thema Sehnsucht. Und auch das fügt sich m.E. zur österlichen Frage: „Für mich ist Sehnsucht in der Tat eine Spur, die Gott in mein Herz gegraben hat. In der Sehnsucht trage ich etwas in mir, das diese Welt übersteigt. Sie ist etwas Heiliges. Niemand kann sie totschlagen. „Die Sehnsucht lässt die Dinge blühen“, sagt der französische Dichter Marcel Proust.

Wenn ich in meiner Sehnsucht auf mein Leben schaue, dann beginnt es zu blühen. Es ist nicht mehr so wichtig, ob mein Beruf, ob meine Freunde, ob meine innere Verfassung meine Wünsche erfüllen. Ich weiß, dass die tiefste Sehnsucht nur von Gott erfüllt werden kann. Daher schenkt mir die Sehnsucht Gelassenheit und inneren Frieden. Das heißt nicht, dass ich mich nicht für die Verbesserung der Lebensumstände einsetzte. Doch ich bin nicht darauf fixiert, alles erreichen zu müssen, was mir vorschwebt. Ich kann gelassen an die Arbeit gehen, weil etwas in mir all das Vordergründige übersteigt. Die Sehnsucht zielt letztlich auf Gott. Doch sie zeigt sich auch in der Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit, nach Lebendigkeit und Liebe, nach Freiheit und Weite, nach Lauterkeit und Reinheit. In all diesen Sehnsüchten drückt sich die Sehnsucht nach dem unbegreiflichen und unaussprechlichen Gott aus, der uns bereitet hat, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat.“ (1. Kor. 2,9)

 

In diesem Sinne wünsche ich ein gesegnetes Osterfest! Ihr/Euer Pastor Heiko Jahn