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© Skulptur: Norbert Then (www.norbertthen.de) ; Foto: Dieter Hollinde

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

„Das ist der Christoph“, sagte meine Patentochter gewichtig nickend und zeigte auf das Kruzifix in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen. „Der Christoph ist gestorben. Und dann, dann ist er wieder aufgestanden.“ Ich konnte ihr nicht widersprechen. Und doch, es regte sich ein leises Unbehagen in mir. Es klang so leicht. Zu leicht, wenn ich mir den geschundenen Körper am Kruzifix anschaute. Christus (Christoph, meiner Patentochter nach) sah nicht danach aus, als würde er vom Kreuz herabsteigen und auf(er)stehen. So viel Gewalt an Leib und Seele hatte er in seinen letzten Stunden gelitten.

Zudem liegt mir die Passionszeit sehr am Herzen; die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Leidensweges Jesu. Ich lese mich in dieser Zeit vor Ostern in die Passionsgeschichten hinein, sehe sie bildlich vor mir und schaue mir den Horror an, lass ihn mir nahe gehen – um dann in den Osterjubel am Osterfest einzustimmen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Was für eine Freudenbotschaft, was für ein Jubel.

In der Melanchthonkirche erinnert das leere Kreuz das ganze Jahr über daran. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Unglaublich! Wie? Wie kann dieser Körper mit all seinen Verwundungen auferstehen? Aus der griechischen Philosophie ist der Gedanke vertraut, dass die Seele sich mit dem Tod vom Körper befreit. Die christlich-jüdische Tradition aber erhebt Einspruch. Seele und Leib bilden eine Einheit; sie sind nicht zu trennen. Nicht zuletzt die biblischen Geschichten bezeugen leibliche Begegnungen mit dem Auferstandenen. Thomas zum Beispiel, er berührt den auferstanden Körper.

Die Worte meiner Patentochter gehen mir bis heute nach. „Er ist gestorben. Und dann, dann ist er wieder aufgestanden.“ Es ist die Schlichtheit ihrer Feststellung, die mich berührt. Schlicht, schnörkellos und von anrührender Leichtigkeit. Und doch von ungeheurer Kraft. Wie das Titelbild. Schauen Sie es sich noch einmal an. Es zeigt „Die Auferstehung“, eine Skulptur des Künstlers Norbert Then, fotografiert von Dieter Hollinde. Für mich: Der Moment der Auferstehung, die Arme wie zum Jubel ausgestreckt dem Himmel entgegenfallend, gleichsam vom Kreuz springend und emporgezogen, die Schatten des Todes hinter sich lassend. Frei, dynamisch, hoffnungsfroh. Als ob die auf(er)stehende Figur mir zuriefe: „Ich lebe. Und ihr sollt auch leben.“ Wunderbares Geheimnis des Glaubens!

 

Ihre/Eure Vikarin Swantje Luthe