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Auf einen Blick

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© Foto: T.Schüßler

 

 

 

 

„Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad‘ gelegen.“

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

Matthias Claudius, Herausgeber des „Wandsbeker Boten“, war ein gebildeter Mensch, lebte aber stets in ärmlichen Verhältnissen. Vielleicht haben ihn diese Umstände zum Schreiben folgender Geschichte gebracht.

Darin erzählt er, wie die Menschen vorzeiten den Ackerbau erlernten, und zwar von einem Engel! Bis dahin hatten sie sich nämlich mehr schlecht als recht von dem ernährt, was sie an Früchten sammeln und an Fleisch durch die Jagd ergattern konnten. Der Engel zeigte ihnen, wie man pflügt und eggt, sät und jätet, beoder entwässert, und wie man am Ende die Ernte einbringt. Und dann beendete der Bote Gottes seine Botschaft mit den Worten: Das alles könnt und sollt ihr tun. Den Rest, den Segen, legt Gott obendrauf. Die Menschen waren anfangs sehr glücklich über diese neuen Möglichkeiten. Aber nachdem sie ein paarmal geerntet hatten, beschwerten sich einige über die Unbill des Wetters und schlugen vor, über den Äckern eine große Halle zu errichten. „Dann können wir im Trockenen unsere Arbeit verrichten.“ Und als ein paar von ihnen einwandten: „Und wie soll dann Gott seinen Segen drauflegen?“ da lachten die anderen nur höhnisch: „Gott? Wir haben noch nichts gesehen, was Gott oben drauflegt. Alles, was wir ernten, ist doch das Ergebnis unserer Arbeit.“ Also bauten sie stolz eine Halle über ihrem Feld – und ernteten nichts. Denn sie hatten ja sowohl die Sonne als auch den Regen ausgesperrt.

Wie kann man so töricht sein, denken wir Heutigen. Aber vielleicht ahnte schon Matthias Claudius, wohin des Menschen Ruf nach immer mehr, immer größer, immer schneller ihn bringt. Denn wir erleben in vielen Bereichen, dass Monokultur, Einsatz von Chemikalien und andere Art von Überdüngung sowohl dem Grundwasser als auch der Artenvielfalt sehr zusetzen. Wie finden wir heraus aus diesem Kreislauf? Vielleicht durch die Einsicht, dass der Segen, den Gott auf des Menschen Tun legen muss, durch nichts zu ersetzen ist, nicht einmal durch unseren Erfindungsreichtum.

In seinem Erntelied sagt der „Wandsbeker“ es so: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land. Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott. Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn. Drum dankt und hofft auf ihn.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Herbst- und Erntezeit.

 

Ihr/Euer Pastor Heiko Jahn

 

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