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Auf einen Blick

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© Foto: T.Schüßler

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

 

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst“.

(Jahreslosung 2018; Offb. 21,6)

 

 

Vom „Wasser des Lebens“ spricht die diesjährige Jahreslosung. In alter Zeit sprach man vom „Lebenswasser“, weil es sich um eine wohltuende, heilende und damit auch zum Leben führende Arznei handelte. Die Bezeichnung „Aquavit“ für ein alkoholisches Getränk hat etwas davon aufbewahrt. In ähnlicher Weise gilt das für den Ausdruck „Whisky“, der sich aus dem schottisch-gälischen Wort für „Wasser des Lebens“, „uisge beatha“, ableitet. Es ist schottischen Mönchen zu verdanken, dass sie die Technik des Whisky-Brennens entwickelten, um so ein Heilmittel zu gewinnen.

 

Dem Durstigen wird Wasser des Lebens in Aussicht gestellt. Verspüren Menschen diesen Durst? Wonach dürsten sie? Und wie stillen sie diesen Durst? Es geht nicht nur um ein körperliches Sich-Satttrinken. Nicht weniger sehnt sich die Seele danach, in ihren Bedürfnissen gestillt zu werden.

Dabei erscheint es naheliegend, die eigenen Bedürfnisse durch den Quell in Gestalt eines anderen Menschen befriedigen zu lassen. Aber führt das zum Ziel? Werden wir einem anderen gerecht, wenn wir ihn als Quelle des Lebens betrachten?

 

Die Geschichte vom „alten Brunnen“ führt auf eine andere Fährte. In der Näheeines alten Bauernhauses lag ein alter Brunnen. Sein Wasser war ungewöhnlich kalt und rein und köstlich zu trinken. Das Besondere war: Er trocknete nie aus. Selbst bei der größten sommerlichen Dürre gab er getreu sein kühles, klares Wasser. Dann wurde eine moderne Wasserleitung gelegt. Den alten Brunnen brauchte man nicht mehr. Er wurde verschlossen und versiegelt. Eines Tages wollte ein Hausbewohner aus Neugierde noch einmal in die dunkle und feuchte Tiefe des Brunnens sehen. Er deckte den Brunnen ab und wunderte sich: Der Brunnen war total ausgetrocknet. Wie konnte das geschehen? Ein Brunnen wird von Hunderten winziger Bäche gespeist, die unter der Erde für verlässlichen Wasservorrat sorgen. Die winzigen Öffnungen der vielen Rinnsale bleiben rein und offen, so lange immer wieder Wasser abgeschöpft wird.

Wird ein solcher Brunnen aber nicht mehr benutzt, dann versiegen die Bäche… Lieben, schenken, glauben und vergeben müssen ständig geübt und gepflegt werden, sonst verliert der Mensch den Zugang zur Quelle des Lebens. Wer von dieser Quelle des Lebens trinkt, den wird lange nicht dürsten!

 

Ich wünsche Ihnen eine von Lebenswasser gestillte Zeit!

Pastor Heiko Jahn