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© Foto: T.Schüßler

„Die Seele baumeln lassen“

 

Das, liebe Leserinnen und Leser, ist für viele der Wunsch, wenn sie an die vor ihnen liegenden Sommertage denken. Für die meisten fällt diese Zeit zusammen mit arbeitsfreien Tagen. Während man Anfang letzten Jahrhunderts noch „in die Sommerfrische fuhr“, ist heutzutage eher von „abschalten, entspannen oder relaxen“ die Rede. Die Arbeit und die Organisation des Alltags setzen viele dermaßen unter Spannung, dass sie sich für die Urlaubszeit vor allem das Gegenteil davon wünschen, Entspannung eben.

Das Wort „Urlaub“ bedeutete ursprünglich „Erlaubnis“, etwa die Erlaubnis wegzugehen, die ein Höherstehender oder eine Dame dem Ritter zu geben hatte. Heutzutage verstehen wir darunter die dienst- und arbeitsfreien Tage, die der Erholung dienen. Das Wort „Ferien“ leitet sich vom lateinischen „feriae“ her, womit „Festtage, Ruhetage“ gemeint sind. Ursprünglich wurden damit „die für religiöse Handlungen bestimmten Tage“ bezeichnet.

„Ich fahre doch nicht in Urlaub, um den ganzen Tag zu beten“, wird mancher entrüstet einwenden. Das ist sicher richtig. Aber wenn die Seele baumeln darf, dann ist ihr wieder ein Raum eröffnet, in der sie sich wohlfühlen und auf sich achten darf. Sie lernt wieder danach zu fragen, was ihr guttut und was ihr schadet.

Nach biblischer Lesart suchte auch der Schöpfergott nach sechs Tagen Arbeit einen Tag der schöpferischen Ruhe. Ebenso war Jesus immer wieder angewiesen auf einen bestimmten Abstand von seinem ihn fordernden Verkündigungsdienst. Für ihn war in dem Moment zweierlei wichtig: zum einen, jeglichem menschlichen Anspruch für eine Karenzzeit enthoben zu sein, zum anderen, mit seinem himmlischen Vater in Kontakt zu kommen. Sich zu vergewissern: Wozu bin ich da? Was kann ich, was will ich mit meinem Leben erreichen? Wozu will ich die verbleibende Wegstrecke nutzen? Was kann ich leisten, wo muss ich Grenzen ziehen? Wer will ich – um Gottes Willen – sein?

Wenn diese Fragen Raum haben und Antwort finden, dann hat die Seele ausgiebig baumeln können. Dass Ihnen dies geschenkt wird, wünscht allen Urlauber*innen und Hamburg-Genießer*innen,

 

Ihr/Euer Pastor Heiko Jahn