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Ostern – Aufstand gegen die Sinnlosigkeit

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Was feiern wir eigentlich an Ostern? Außer Osterfeuer, Ostereiersuchen und Osterhase stellt sich für manche eine Ratlosigkeit ein. Weihnachten scheint alles viel einleuchtender. Mit dem im Stall geborenen Kind, mit dem Geschenk, das Gott damit den Menschen macht und das durch eigenes Schenken und Beschenktwerden erneut erfahrbar gemacht wird. Aber Ostern? Das hat etwas mit Karfreitag und Kreuzigung zu tun. Inwiefern dann mit uns heutigen Menschen?

 

Viele Menschen erleben trotz materieller Sicherheit eine schwer zu fassende Verunsicherung: Die nicht gelöste Frage der Geflüchteten und der Ursache für Fluchtbewegungen haben etwas Beängstigendes. Sie machen die Frage nach gerechten Lebensmöglichkeiten auf dieser Erde virulent. Den hier Beheimateten rückt das Fremde zuweilen bedrohlich nahe auf den Pelz. Populisten nutzen die Angst vor dem Fremden und die Suche nach (nationaler) Identität frech aus und feiern ihre Erfolge.

 

Was kann diesen Befindlichkeiten entgegengesetzt werden? Was stiftet Hoffnung bei eigener Erfahrung von Abschied und Schmerz? Hier wird jeder seine eigenen Erzählungen beisteuern.

 

Der biblische Osterbericht erzählt, dass Jesus aus Nazareth für seine Botschaft zu sterben bereit wurde. Es war nicht unbedingt von vornherein sein Wunsch. Aber er hat einen Weg gewiesen bekommen, sich da hineinzufinden. Dennoch hat diese Hinrichtung der Liebesbotschaft nicht das letzte Wort behalten. Nach der Abnahme vom Kreuz war Jesus in einer Grabeshöhle beigesetzt worden. Nach drei Tagen, so wird erzählt, kamen Frauen zum Grab, um den Leichnam mit wohlriechenden Ölen zu versehen. Und sie fanden das Grab – leer. Zunächst erfüllte sie Angst und Schrecken. Aber dann bekamen sie zu hören: Der am Kreuz so schändlich Zugerichtete, der, der sich dort von Gott und allen guten Geistern verlassen fühlte, sei auferweckt worden. Und damit, so ein Wache schiebender Soldat, sei für ihn dessen Gottessohnschaft vollgültig erwiesen.

 

Für viele Menschen ist dieser Bericht eine Möglichkeit, gegen Verzweiflung und Trauer die Hoffnung neu in sich aufleben zu lassen. Für andere ist es wichtig, so etwas wie Beistand oder Solidarität zu erfahren. Ich denke an eine junge Mutter, die hier in Deutschland, in einem für sie fremden Land, ihr zweites Kind zur Welt brachte. Es leidet an einer schweren Erkrankung. Ohne medizinische Hilfe erscheint es nicht lebensfähig. Dieser Mutter war es eine Hilfe, selbst in fremder Sprache, aber doch von einem Pastor, einem Christen, ihre notvolle Lage vor Gott ausgesprochen zu hören. Zu erleben, da könnte einer sein, dem dies alles andere als gleichgültig ist, der sich dies vielmehr zu Herzen nimmt und eine Rückenstärkung gibt, diesen unwegsamen Weg zu gehen.

Das wäre eine Weise, davon zu erzählen, was mit Ostern, dem Aufstand gegen die Sinnlosigkeit, gemeint ist.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

 

Ihr Pastor Heiko Jahn