SCHLIESSEN

Auf einen Blick

Suche

© Foto: T.Schüßler

„Von gebrochener Schönheit“

In der Advents- und Weihnachtszeit haben sie Hochkonjunktur, die Engel. Seit Jahrhunderten finden sie sich in künstlerischen Darstellungen. Meist dargestellt mit wallendem Haar, pausbäckig und mit einem Instrument versehen.

Der Engel, der Maria die Geburt verkündet, löst zunächst Erschrecken und Widerrede aus: „Wie geschieht mir das…?“ Und die Hirten sind angesichts der Engelsbegegnung von Furcht erfasst. Die Engelserfahrungen sind dem vergleichbar, was es mit dem Jesuskind auf sich hat; auch hier gibt es Befremdliches: Immer wieder mal wird der Ruf nach kraftvollen Bildern von Gott laut, in mir oder durch andere. Die Weihnachtsgeschichte aber erzählt von Gott als Baby, zur Welt gebracht in einem Stall, gebettet in einer Futterkrippe („Wie unhygienisch, und womöglich erfriert es!“ sorgten sich dieser Tage Konfirmandinnen, wenn sie sich in Marias Lage versetzten). Bald schon wird es daliegen, das Kind, in Windeln gewickelt, im Schein des Weihnachtslichtes. Zart und zerbrechlich. Die Hoffnungen unzähliger Menschen richten sich auf ihn. Hoffnungen auf Frieden, auf Gerechtigkeit, auf Erlösung, auf Gottes Nähe.

Gott kommt als Kind zur Welt und wird Mensch. Er wird Mensch und nimmt billigend alle Einschränkungen und Beeinträchtigungen auf sich, die das Menschsein mit sich bringt. Gott macht sich angreifbar, verwundbar. Unser Gott, der als Kind zur Welt kommt, ist verletzlich. Gottes Sohn wird getötet werden und sterben; und er wird auferstehen. Er bleibt dabei nicht unversehrt. Es bleiben Wunden zurück. Das Bild eines versehrten Gottes.

Die Schönheit Gottes zeigt sich nicht zuerst in perfekten Bildern, sondern eher dort, wo von Gottes befremdlicher, scheinbar antiästhetischer, gebrochener Schönheit erzählt wird. Es ist eine Schöne, in der Finsternis und Licht ineinander liegen. Gerade diese Schönheit eignet dem Gott, der sich in der Finsternis als Licht offenbart.

Die Darstellung auf dem Titelbild vom aktuellen Gemeindebrief wirkt zunächst irritierend. Mit dem zweiten Blick erinnert sie an den gebrochenen, verletzlichen Gott. Das rührt an, zart und zerbrechlich.

Ich wünsche uns in dieser Zeit den Blick für das Zarte und Zerbrechliche, in dem Gott uns begegnet!
Ihr Pastor Heiko Jahn