SCHLIESSEN

Auf einen Blick

Suche

© Foto: T.Schüßler

 

 

 

" Gott gab uns Atem, damit wir leben "

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

obwohl es zahlreiche Dinge gibt, die das alltägliche Leben erleichtern, gibt es viele Menschen, die sich gehetzt fühlen. "Wir leben in einer atemlosen Zeit," sagen sie, "ganz viele Dinge und Aufgaben müssen wir gleichzeitig im Blick haben und am besten auch zur gleichen Zeit erledigen." So manchem geht unter der ständigen Anspannung die Puste aus. Da bleibt nicht einmal mehr Zeit, um in Ruhe durchzuatmen. Dabei wäre es unbedingt angebracht, gegen den Trend immer wieder einmal Atempausen einzubauen.

 

Gott selber hat sich diese Verschnaufpause gegönnt. Es gibt durchaus zu denken, dass wir in unserer jüdisch-christlich geprägten Gesellschaft diesen Ursprungsgedanken scheinbar mehr und mehr verlieren. Bereits die Schöpfungsgeschichte mutet an wie ein beschwichtigendes Ein- und Ausatmen: Tag und Nacht, Tag und Nacht ... Und am siebenten Tag ruhte Gott von allen seinen Werken, die er getan hatte. Und eben damit wird dem Menschen ein Vermächtnis zuteil. Er erhält nicht nur die Erlaubnis, sondern gewissermaßen den Auftrag, nach getaner Arbeit Zeit zum Entspannen zu finden. Ausruhen nicht nur, weil es gerade passt oder weil im Moment nichts anderes zu tun ist. Sondern Ausruhen und Atemholen, weil es angesagt ist. Weil der Schöpfer es vorgemacht und den Menschen ins Stammbuch geschrieben hat. Der Mensch und mit ihm alle Lebewesen sind auf diese schöpferische Pause angewiesen. So dürfen Menschen den Ruhetag am Sonntag verstehen, so aber zugleich auch die Ausspannphasen im Verlaufe des Jahres ansehen, die wir Urlaub oder Ferien nennen.

 

"Gott gab uns Atem, damit wir leben." Davon erzählt der zweite Schöpfungsbericht in der Bibel (1. Mose 2, 4 ff.). Und damit haben die Menschen damals dies beschrieben: Menschen empfangen ihr Leben, indem Gott den Lebensatem in sie hineinhaucht. Gott haucht zu Beginn den Atem in uns hinein, und von da an atmet Gott in uns. Ehe wir aktiv werden, ist schon für uns gesorgt. Jedes Ein- und Ausatmen könnte eine Erinnerung an Gottes Wirken an uns sein. Gottes Atem lebt in den Menschen - und zugleich gilt es immer wieder Raum zu schaffen zum Atemholen, Platz zu machen für Gott in unserem Leben. Jeder Gottesdienst ist eine solche Gelegenheit zum Atemholen. Aber auch jede andere Gelegenheit, in der wir Gemeinschaft erfahren, Gott loben mit gesungenen oder gespielten Weisen.

 

Auf der Titelseite des neuen Gemeindebriefes finden Sie ein Motiv aus dem von Katja Gehrmann gestalteten Bilderbuch "Gott gab uns Atem." Diesen Worten des gleichnamigen Liedes werden wir nachsinnen in einer Ausstellung mit den Bildern von Katja Gehrmann, im Schulanfängergottesdienst, wie auch im Gottesdienst zum Erntedank. Lassen Sie sich einladen zu der Erfahrung: "Gott will mit uns die Erde verwandeln, wir können neu ins Leben gehen."

 

Eine in diesem Sinne an Atem- und Verschnaufpausen reiche Zeit wünscht Ihnen

Ihr Pastor Heiko Jahn.